Hausuntersuchung » EMV » Konformitätsbewertung

Konformitätsbewertung

Die Konformitätsbewertung von elektrischen und elektronischen Geräten erfolgt am Ende eines Entwicklungszyklus, auf der Basis von repräsentativen Prüfmustern. Sofern seriengefertigte Produkte verfügbar sind, sollten diese gegenüber Vorserienmustern bevorzugt werden. Bei hohen Produktionsstückzahlen ist es zumindest empfohlen, anhand von Stichproben diese Messungen laufend zu überprüfen. Die Eigenschaften von Messplätzen, an denen Konformitätsbewertung durchgeführt werden, ist in den einschlägigen Normen sehr genau vorgegeben, oder es wird diesbezüglich auf eine andere Norm verwiesen. Für Abstrahlungsmessungen werden oft Freifeld- Messplätze als Referenz angegeben und Messungen in geschirmten Räumen erlaubt, sofern diese die notwendigen Eigenschaften aufweisen. Im Zweifelsfall haben Freifeldmessungen höhere Priorität, wodurch einige Labors die kritischen Frequenzbereiche entsprechend nachbewerten. Aufgrund der Umgebungsstörungen ist es jedoch selten möglich, den gesamten Frequenzbereich im Freifeld abzudecken. Ein weiterer Nachteil ist die Witterungsabhängigkeit, wodurch die Messmöglichkeiten in den Wintermonaten sehr eingeschränkt sind.

Um die Resultate vergleichbar zu machen, ist es üblich, die Produkte in vorgegebenen Betriebszuständen und mit standardisierten Messaufbauten zu bewerten. Diese Vorgaben sind den jeweiligen Normen zu entnehmen. Um die notwendige Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten, müssen im Testbericht, auf dessen Basis die Konformitätserklärung erfolgt, der Testablauf, die Betriebszustände und die Testaufbauten festgehalten werden.

 

Konformitätsbewertung vor Ort

Bei sehr großen Maschinen und Anlagen, die nicht transportiert werden können, besteht oft nur die Möglichkeit, die Konformitätsbewertung am Aufstellungsort durchzuführen. Die Messungen müssen möglichst normgerecht durchgeführt werden, wobei diese Forderung aufgrund der örtlichen Gegebenheiten oft nicht erfüllt werden kann. Bei hohen Umgebungsstörungen in bestimmten Frequenzbereichen bzw. unzureichenden Platzverhältnissen kann es beispielsweise nötig sein die Messentfernung zu verringern und den Messwert entsprechend zu korrigieren. Sofern Abweichungen vom normgerechten Aufbau nötig sind, müssen auch diese im Testreport dokumentiert werden.

 

Probleme in der Praxis

Von Seiten der Messtechnik betrachtet, sind die „unerwünschten Strahler“ am schwierigsten zu bewerten. In diesem Fall sind die Abstrahlfrequenzen und die „Modulation“ nämlich völlig unbekannt bzw. Zufallsprodukte. Dadurch ist es im Gegensatz zu einer „Sendeanlage“ nicht immer möglich, eine konstante Strichleistung zu messen. Gerade bei stark schwankenden Pegeln kann sich die Schwierigkeit ergeben, die Störer mit der notwendigen Schärfe zu erfassen. Beispielsweise sieht die EN55022 in der Endbewertung einen Beobachtungszeitraum von 15 Sekunden vor, wobei 15 Einzelmessungen mit 1 Sekunde Messzeit durchgeführt werden müssen und der höchste Pegel festzuhalten ist. Bei händischen Messungen sind die Resultate von der Erfahrung und Genauigkeit des Messtechnikers abhängig. Um den Faktor „Mensch“ zu egalisieren, wurde PC-Software zur Steuerung der Messabläufe entwickelt. Ich konnte sehr viel Erfahrung mit zwei Softwarepaketen eines namhaften deutschen Herstellers in unterschiedlichen Versionen sammeln. Das aktuelle Paket hat den Vorteil, das diverse Testabläufe vordefiniert sind. Dadurch wird die Benutzerfreundlichkeit erhöht. Der Nachteil an diesem System ist die damit verbundene Inflexibilität, wodurch Abweichungen von vorgegebenen Schema kaum möglich sind. Zusätzlich weist dieses Softwarepaket einige Schönheitsfehler auf. Dadurch müssen die gewonnenen Resultate vom Nutzer auf Plausibilität geprüft werden, wodurch das Ziel der Unfehlbarkeit nicht erreicht wird.